Gelobt sei, was Fahrt macht

Google News.

Zugegeben, der Überschrift mangelt es inzwischen ein wenig an Originalität, aber sie kommt immer noch gut.
In unseren Zeiten der beschleunigten technischen Entwicklung rollen auf dem Gebiet des Individualverkehrs zwei Entwicklungen wie Turbo-Tsunamis auf uns zu: Die Elektromobilität und das autonome Fahren.
Aber Vorsicht. Bevor die Techno-Nerds allzu heftig in die Luft springen, sei an dieser Stelle ein kurzer Satz gesagt: Alles ein alter Hut. Schon vor hundert Jahren wurden Automobile mit Elektro- oder Dampf(!)-Antrieb als potenzielle Konkurrenz zu den Wagen mit Verbrennungsmotor angesehen. So neu ist das, was „E“ heißt, also doch nicht. Und das autonome Fahren? Haha – wie war das mit dem Chauffeur? Der als einziger im Hofstaat so mancher Nobelfamilie die Automobiltechnik beherrschte.
Und der zusätzlich als Leibwächter für Herrn Graf fungieren konnte und die Frau Gräfin auf Wunsch auch abseits der Straße in Fahrt brachte. Aber das ist eine Abschweifung.

Wichtig ist allein die Feststellung, dass wir einmal mehr an einem jener Scheitelpunkte angelangt sind, hinter denen das, was vorher exklusive Möglichkeit einer privilegierten Minderheit war, der Mehrheit von Konsumenten zur Verfügung steht.

Google macht Tempo

Oben zitierte Frau Gräfin mag sich grämen, aber der Chauffeur wird durch Elektronik ersetzt. Für den Wageninsassen macht das keinen Unterschied. Er soll sich, im letzten Vollendungsstadium der autonomen Fahrtechnik, entspannt zurücklehnen können.
Was Wunder, dass ein Technologiekonzern wie Google hier ein neues Betätigungsfeld entdeckte und schon die ersten Reviermarkierungen setzte. Auf der Detroit Motor Show stellte die Google-Tochter Waymo einen in Kooperation mit Chrysler entwickelten Van vor, bei dem die Elektronik den Fahrer ersetzen kann und soll.
Die Zusammenarbeit macht deutlich, dass kein 12-Zylinder-Treibling von Google zu erwarten ist, wohl aber die Komponenten, um Automobile zu selbstfahrenden Transporteinheiten zu machen.

Es bleibt also spannend, zumal Porschefahrer – gerade die – inzwischen schon im allfälligen Autobahnstau zur Zeitung greifen und den Zuffenhausener machen lassen können. Das Stichwort Tesla sei an dieser Stelle ausgespart, weil zwiespältig. Denn da war doch was gewesen, von wegen Verwechslung einer weißen Anhängerflanke mit dem freien Himmel hinter einer freien Straße.

Es bleibt also noch manches zu tun. Vor allem Experten für Netzsicherheit und Datenschutz werden angesichts der Vernetzungsmöglichkeiten und der Gefahren durch Hacker ins Grübeln kommen. Nur Zweifel, dass uns bald weitere Erfolge präsentiert werden, die können wir uns sparen.