Noch ein Attribut von Google

´Google Attribute` heißt der neue Dienst, mit dem der Internet-Gigant sich an eines der Hauptprobleme der Online-Werbung wagt. Bisher konnte der Effekt der Werbebanner nur durch den letzten Klick belegt werden – wenn ein Kunde bei dem Werbetreibenden kaufte. Die Frage nach einem erweiterten Effekt, der das Image der beworbenen Firma oder eines Produktes positiv beeinflusst, musste bisher offen bleiben. Nun stellte der Konzern bei seiner Konferenz ´Google Marketing Next` seinen neuen Dienst vor. In sympathisch US-amerikanischer Bescheidenheit bezeichnete der zuständige Produktmanager Jerry Dishler ´Google Attribute` als den Heiligen Gral. Parsival wäre etwas irritiert, denn in der segenspendenden Schale befinden sich Statistiken, mit denen der Konzern seinen Kunden die Vorteile der Online-Werbung plausibel machen will. Zur Basis des neuen Dienstes gehört die Auswertung von Bewegungsprofilen und Kreditkartenabrechnungen, von denen Google versichert, dass sie den Werbekunden nur in anonymisierter und zusammengefasster Form zugänglich gemacht werden. Zudem werden, laut Google, nur jene Nutzer-Bewegungsprofile erfasst, die freiwillig offengelegt werden. In den USA kann Google dank Kooperation mit den entsprechenden Partnern 70 Prozent aller Zahlungen mit Kreditkarten in seine Modelle einbeziehen. Europäische Kreditkarten bleiben derzeit noch außen vor, aber Google sucht auch auf dem alten Kontinent nach Partnern.

Keine Revolution
´Attribute` fußt weitgehend auf der schon 2014 von Google etablierten sogenannten Ladenbesuchsmessung, die erkennt, in welche Geschäfte der Kunde geht. Die so erhobenen Daten werden beispielsweise genutzt, um beliebte Restaurants in der Umgebung aufzuzeigen oder auf besonders hohe Kundenfrequenz bei den Geschäften aufmerksam zu machen. Google kaufte diese Technik 2014 mitsamt der Entwicklerfirma Adometry.
Wirklich neu an der Neuentwicklung ist die Menge an erfassten Daten und die Ausweitung der Datenquellen. Um mit dieser Informationslawine fertig zu werden, musste Google verbesserte Deep Learning-Modelle entwickeln.

Zuzahlung bringt Wissenszuwachs
´Attribute`soll kostenlos angeboten werden – allerdings nur in der Basisversion. ´Attribution 360` soll zahlenden Kunden dann einen wesentlich erweiterten Service bieten. Sie können ihre eigenen Daten mit denen von Google so kombinieren, dass eine genaue Analyse des Kaufverhaltens bis hin zum einzelnen Produkt möglich wird.

Clash of Cultures
Googles neues Angebot wird von Kennern als Befreiungsschlag gewertet. Der Konzern will zeigen, dass Online-Werbung auch für das stationäre Geschäft in der noch immer analogen Welt profitabel ist. Zudem waren in der letzten Zeit immer wieder die selbstgemachten Erfolgsstatistiken der Online-Größen angezweifelt worden, durchaus berechtigt, wie die Korrekturtätigkeit bei Facebook, wenn es um eigene Zahlen geht, zeigt.
Vor allem scheint sich hier aber eine Reaktion auf einen gewissen Kulturschock abzuzeichnen. Denn Werbekunden sind eher dazu geneigt, der klassischen Reichweitenmessung zu vertrauen, mit der Werbeagenturen ihre Erfolge belegen. Hier will Google seine eigene Messmethode als Maßstab durchsetzen. Was angesichts der Klagen über stark gestiegene Preise für Suchmaschinenwerbung eine gute Idee sein könnte.