Frau Vestager bittet zur Kasse 

Wer bisher noch nichts mit dem Namen Margarethe Vestager verbinden konnte, möge dies ändern, denn dies Gretchen kostet richtig Geld. Zumindest den Internet-Riesen Google. Wobei – und hier wird es interessant – man die Frage stellen könnte, ob für den Suchmaschinenkonzern die von der EU-Wettbewerbskommissarin so stolz verkündeten 1,49 Milliarden Euro Strafzahlungen mehr bedeuten als ein Griff in die Portokasse, mithin die Nabobs des Silicon Valley weniger nerven als das Glühbirnenverbot den gequälten EU-Bürger.
Aber alles der Reihe nach.
Der übliche Verdächtige 
Das nun mit der Verkündung der Strafzahlung beendete Verfahren wurde von der EU-Kommission im Jahre 2016 in Gang gesetzt. Es ging um die Frage, ob Google die Kunden von AdSense, der Google-eigenen Werbeplattform, davon abhielt, Werbung von Konkurrenzunternehmen anzuzeigen. Mit AdSens verwaltet Google im Kundenauftrag deren Anzeigen und platziert diese auf fremden Seiten. Nach Feststellung der EU-Kommission seien andere Anbieter innerhalb von AdSense for Search – einem Teil des Verwaltungssystems – behindert worden, konkurrierende Suchmaschinenwerbung zu platzieren. Während des laufenden Verfahrens hatte Google bekannt gegeben, dass die Verträge mit Werbepartnern neu gestaltet worden seien. Was man schlicht als Eingeständnis interpretieren kann, dass die Vorwürfe der EU-Kommission zumindest nicht vollständig aus der Luft gegriffen sind.

Aller guten Dinge sind drei 
Wäre Google ein Schulhofrüpel und Frau Vestager die gestrenge Direktorin, könnte man sich den Dialog ausmalen: „Du schon wieder!“ „Ich hab doch gar nichts gemacht!“ „Das werden wir ja sehen! Ich weiß doch, dass du der stärkste Bengel da draußen bist!“
Genau darum ging es schon 2017 und 2018. Übersetzt in das Politsprech der Kommission lautet der Vorwurf: missbräuchliche Ausnutzung einer marktbeherrschenden Stellung.
Anno 2017 musste Google 2,42 Milliarden Euro löhnen, weil es seine Marktmacht genutzt habe, um eigene Anzeigen optimierter zu platzieren. 2018 war das Betriebssystem Android im Fadenkreuz der EU-Kommissarin Margarethe Vestager. Der Vorwurf auch hier: Google rempelt sich gegen die Regeln zum Erfolg. Maggie krümmte den Finger, Peng, Blattschuss und 4,3 Milliarden Euro Strafe.
So über den Daumen gepeilt waren also an die acht Milliarden Euro für böse Taten fällig. Was verwundert, denn eigentlich hat Google doch einen hohen ethischen Anspruch an sich selbst. Und die EU-Kommission? Fragen Sie mal John Bull, den überzeugten Brexiteer, was der davon hält. Alles sehr seltsam. Erstmal googeln – vielleicht sieht man dann klarer …

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