Lebenszeichen aus dem Irgendwo? – Project Ara

Früher gab es die „Wissenschaft der Kremlogie“, also die hohe Kunst, aus geheimnisvollen Andeutungen und Zeichen den künftigen Kurs der Herren des Kreml herauszulesen. Kremlogen hatten ihre Hochphase während des kalten Krieges, obwohl Herr Putin noch immer für ausreichend Fragestellungen sorgt.
Inzwischen scheint sich die neue Wissenschaft der ´Googlelogie` zu etablieren, und auch hier geht es um die Interpretation sublimer Zeichen und Andeutungen.

Im konkreten Fall versetzt eine Umfrage-App der Firma Google die Beobachter in einen leichten Erregungszustand. Denn vielleicht wurde aus dem weißen Rauschen totaler Unkenntnis nun ein Lebenszeichen des Project Ara empfangen.
Aber der Reihe nach. Project Ara ist die Google-interne Bezeichnung für die Entwicklung eines modularen Smartphones. Hinter dem ´modularen Smartphone` verbirgt sich der an sich sehr naheliegende Gedanke, den Kunden an der ständigen technischen Weiterentwicklung seines Gerätes teilhaben zu lassen, ohne ihn alle sechs Monate zum Neukauf zu zwingen. Also würden nur die entsprechenden Module ausgetauscht werden, während der Rest des Gerätes so bleibt wie er ist. Hat bei Dampfloks funktioniert, sollte es also auch bei Smartphones tun.

Die Vorteile liegen auf der Hand – weniger Elektronikschrott, klügerer Umgang mit Ressourcen, beschleunigter Zugang zu neuester Technologie.
Die Idee selbst hat schon eine längere Geschichte. Der niederländische Designer Dave Hakkens stieß das Projekt ´Phonebloks` an, stand aber vor finanziellen und technischen Problemen. Bei der Firma Motorola verfolgte man einen ähnlichen Ansatz und näherte sich der Realisierbarkeit. Auch als Google Motorola an Levono verkaufte, blieb das Entwicklungsteam des inzwischen als ´Project Ara` betitelten Vorhabens beim Internetgiganten Google.
Project Ara gewann an Fahrt. Der erste Prototyp wurde an die Öffentlichkeit gebracht, Partnerschaften mit bedeutenden Unternehmen zwecks Modulherstellung wurden geschlossen.
Und dann.
Stille.
Lediglich der Hinweis auf einen Wechsel der Technologie drang an die bisher eifrig informierte Öffentlichkeit vor.

Fragen wegen Fragen
Nun aber scheint sich doch etwas zu regen. Könnte man zumindest vermuten, denn Google Opinion Reward, also das Google-eigene Instrument zur Pulsmessung des werten Käufers, hatte einige Fragen, die Aufmerksamkeit erregten. Nirgendwo wird der Begriff ´Project Ara` erwähnt, von modularen Smartphones ist auch nicht die Rede. Dennoch ist offensichtlich, dass sich die Fragen auf exakt diese Technologie beziehen. Die Befragungstechnik erscheint etwas kurios.

Es handelt sich prinzipiell um eindeutige Ja – Nein-Fragen, in der Art von “ Wären Sie bereit mehr Geld für ein Handy zu zahlen, das nach sechs Monaten schneller arbeitet?“ Unter dieser Frage stehen allerdings fünf verschiedene Wahlmöglichkeiten von 0 bis 100 Dollar in 25 Dollar-Schritten.
Womit sich der Verdacht aufdrängt, dass Google sich Gedanken über die Preisgestaltung eines Angebotes macht, das dann doch wohl demnächst auf den Markt kommen. Meinen die Googlelogen.