Moneten oder Moral ?

Bertold Brecht, der Lederjacken-gekleidete Zigarrenraucher wusste es schon vorher und behauptete bühnenbekannt, dass erst das Fressen und dann die Moral käme.
Womit der gute Bert die Moral als Luxusproblem des vollen Bäuchleins definierte, womit sich dieser Artikel auch sofort seinem Thema nähert, das da heißt: Google und der chinesische Markt. Napoleon wusste es schon längst. „Wenn sich China erhebt, erzittert die Welt“ – wird der Macron-Vorgänger aus Korsika zitiert. Wir haben gesehen, wie es geschieht und noch immer marschiert China weiter zur ökonomischen Nummer eins auf dem blauen Planeten.
Nun gut, es gibt da einige Schönheitsfehler – da wäre so ein kleines Land namens Tibet, die uigurischen Muselmanen, das Taiwanproblem und hier und da eine künstliche Insel, um dem weiten Meer einige Wirtschaftszonen abzuknapsen. Nicht zu vergessen die Projekte, die eine elektronisch unterfütterte Totalüberwachung aller Bürger erlauben werden. Kurz – beim Thema Menschenrechte steht China ungefähr so da, wie die deutschen Nationalkicker 2018. Mies.

Fehlstart von Dragonfly? 
Die obigen Fakten sind bekannt, dennoch werden mit China Geschäfte gemacht. Google würde das auch gerne, ist China doch der weltweit größte Internetmarkt, auf dem etwa 730 Millionen Nutzer gezählt werden. Bisher ist dieser Markt verschlossen, denn die besorgte Staatsführung möchte ihre Bürger vor gewissen Inhalten schützen. Nörgler nennen so etwas Zensur und weil Google sich dem nicht beugen wollte, steht der Internetgigant draußen vor der großen Mauer und schmollt.
Aber nicht nur. Google legte ein Projekt namens Dragonfly auf. Dahinter steckt nichts anderes als eine Google-Suchmaschine für Android mit Selbstverstümmelungstendenz, die den Wünschen der Mandarine um Xi Jinping nachkommt und Seiten mit Ekelthemen wie Menschenrechte, Demokratie etc, ignoriert.

Komm, wir empören uns! 
Die Berichte über derartige Pläne hatten schon Anfang August für die habituelle Empörung bei denen gesorgt, zu deren primären Lebensäußerungen das Empört-Sein gehört. Empörte sogenannte Aktivisten kann man also abhaken, die tausend Google-Mitarbeiter, die einen Protestbrief an die Leitung schrieben, sind in dieser Hinsicht vielleicht etwas ernster zu nehmen. In dem Brief werden die moralischen Fragen angesprochen, die mit einer solchen Suchmaschine verbunden sind. Googles eigene Ethikregeln verbieten Dienste, die zu Menschenrechtsverletzungen führen.
Es waren ebenfalls Mitarbeiterproteste, die Google davon abhielten, mit dem Pentagon zu kollaborieren.
Google-CEO Pichai bemühte sich, die Zweifel zu zerstreuen. Dragonfly, so sagte er, sei weit entfernt davon, in Betrieb zu gehen.

Nachtrag. Der Brief wurde von etwa 1000 Mitarbeitern unterstützt. Google beschäftigt weltweit über 80.000 Menschen.

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