Neue Wolken am Datenhimmel

Wenn ein Riese zuckt, kann er sich aller Aufmerksamkeit sicher sein. So ergeht es auch dem Internetgiganten Google mit seiner Ankündigung, einige Milliarden Dollar im Meer zu versenken. Genauer: In drei neue Seekabel zu investieren. Was in den dunklen Tiefen der Weltmeere schlummert, soll allerdings Profite weit oberhalb der Wellen und Wogen sichern: Wolkige Geschäfte oder weniger poetisch: Den Ausbau des Cloud-Angebotes für Google-Kunden. Googles Chef Sundar Pichai sieht darin die logische Ausrichtung auf eine der zukünftigen Prioritäten des Konzerns.
30 Milliarden für Infrastruktur

Es gehört zur feinen Ironie der Geschichte, dass Googles Seekabelpläne in eine Zeit fallen, in der die NATO zunehmend nervös auf das vermehrte Auftauchen russischer Kilo-Klasse-U-Boote in Nordsee und Ärmelkanal reagiert. Der Verdacht der Militärs: Putins U-Boot-Fahrer werfen einen unkeuschen Blick auf das Nervensystem des westlichen Militärbündnisses, nämlich die Seekabel. Deren Unterbrechung würde die NATO in arge Schwierigkeiten bringen. Das geheime Anzapfen ihrer Kommunikationslinien würden die Bündnis-Militärs ebenfalls nicht goutieren – wissen sie doch, dass so etwas funktioniert und Erkenntnisse bringt. Schließlich hat man das mit der Sowjetunion selbst vorexerziert.

Ein Kappen der unterseeischen Kabel würde aber auch der internationalen Wirtschaft einen schweren Schlag versetzen und innerhalb von kurzer Zeit gewaltige Verluste verursachen. Genau hier sind wir wieder bei Google und seinem Investitionsprogramm. Der Konzern mag ja beim Thema Suchmaschinen der unbestrittene Herr im Ring sein. Geht es aber darum, wer den Kopf ganz oben in der Rechnerwolke hat, dann stehen Amazon und Microsoft noch etwas höher. Grund genug für Google, hier nachzurüsten.

Geldregen aus der Cloud
Die drei Seekabel, die Google legen lassen will, verbinden Los Angeles mit Chile, Hongkong mit Guam sowie die USA mit Irland und Dänemark. Zudem erweitert Google seine Vertriebsstruktur, akquiriert Start-ups und baut sein System von Rechenzentren aus. Das sieht nach einer strategischen Ausrichtung aus, aber Google befindet sich auch in der ungewohnten Rolle des Getriebenen. Der Konzern muss investieren, um mit der Konkurrenz mithalten zu können. Laut Experteneinschätzung wird der Markt mit der Rechnerwolke gerade verteilt. Schätzungen sprechen davon, dass die Public Cloud – also die standardisierten Dienste für Privatkunden mit Internet-Zugang – einen Jahreszuwachs von 19 Prozent haben dürften. Für das nicht mehr so ferne Jahr 2020 wird mit einem Umsatz von schwindelerregenden 162 Milliarden Dollar gerechnet. Und plötzlich sehen die 30 Milliarden, die Google in den vergangenen drei Jahren investierte, schon gar nicht mehr so gewaltig aus. Was so ein Vergleich ausmacht!

Google betreibt mehrere Rechenzentren im Rhein-Main-Gebiet. Damit soll eine schnelle Netzanbindung und hohe Verfügbarkeit sichergestellt werden. Ab Mai 2018, das erklärt Google, will man sich auch an die Vorgaben der Europäischen Datenschutzverordnung halten. Die Kundendaten sind somit verschlüsselt und nicht einsehbar. Bleibt zu hoffen, dass nicht irgendwo die Kilo-Klasse vorbei schwimmt …