Prügel für den Androiden 

Egal wie – der Internetriese Google ist rekordverdächtig. Selbst wenn die EU-Kommission die Flinte hebt und Google mit einem Bußgeld beschießt, kommt der Berichterstatter um den Begriff ´Rekord` nicht herum. 4,3 Milliarden Euro beträgt das Zwangsgeld, mit dem Google für die Ausnutzung seiner beherrschenden Marktposition Buße tun soll. Eine gewisse Gewöhnung sollte bei den Google-Bossen schon vorhanden sein. Schließlich wurde schon 2017 ein Zwangsgeld verhängt. Selbstverständlich auch von der EU-Kommission und selbstverständlich war das in der guten alten Zeit auch ein Rekord: 2,4 Milliarden Euro. Was nach der jetzigen Entscheidung geradezu als moderates Sümmchen gelten kann. 
Zu viel Android für den EU-Geschmack 
Der eigentliche Beginn des ´Rekordversuches` liegt schon ein halbes Jahrzehnt zurück. Im Jahr 2013 legte eine Interessenvereinigung von Google-Konkurrenten namens Fairsearch Beschwerde gegen Google bei der EU-Kommission ein. Nach zwei Jahren eröffnete die EU-Behörde das Verfahren formal, verschärfte es im Jahr 2016. Und am 18. Juli 2018 wurde die Entscheidung verkündet.

Um was geht es?
Das Betriebssystem Android wurde von Google entwickelt und den Geräteherstellern kostenlos zur Verfügung gestellt. Es ist den Herstellern auch erlaubt, das Betriebssystem abzuwandeln. Inzwischen liegt der Anteil von Android im Smartphone- und Tabletbereich bei etwa 90 Prozent. Einzig Apples iOS-Plattform kann als ernsthafter Konkurrent gelten, selbst wenn manchmal auch der Name Linux getuschelt wird.

Darf es auch ein wenig mehr sein? 
Die EU-Wettbewerbshüter konzentrierten sich auf drei Punkte, mit denen ihrer Einschätzung nach Google seine Marktstellung in unzulässiger Weise ausnutzt. Da wäre die Tatsache, dass Hersteller, die auf ihren Geräten bestimmte Google-Dienste installieren, gezwungenermaßen auch den Browser Google-Chrome und die Google-Suche vorinstallieren müssen. Insgesamt geht es um 11 Apps von Google, die der Kunde nur loswird, wenn er sein Smartphone verbrennt. Löschen geht nicht.
Der zweite Vorwurf bezieht sich auf die sogenannte Anti-Fragmentierungs-Vereinbarung. Klingt gewaltig und untersagt Herstellern gleichzeitig Geräte mit Google-Diensten und andere Geräte mit abgewandelten Versionen, die auf dem offenen Quellcode von Android basieren, zu verkaufen.

Punkt drei ist der Vorwurf, dass Google Hersteller und Mobilfunkanbieter mit finanziellen Anreizen dazu verführt, exklusiv Google-Apps zu installieren.
Die EU-Kommission will Google nun zwingen, diese Praktiken einzustellen. Googles Gegenargument: Eine bestimmte Bündelung von Apps ist nötig, damit man die Google-Dienste überhaupt nutzbringend verwenden kann.
Setzt sich die EU-Kommission durch, würde das Google weh tun. Die Strafzahlung ist dagegen weniger bedeutsam – Alphabet, die Google-Mutter soll so um die 80 bis 90 Milliarden Euro Bargeld in der Kasse haben.

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*