Startverbot für Dragonfly 

Alles ist relativ und Zahlen sagen nicht alles. Die Bewohner einer Agglomeration im märkischen Sand, nach Informationen eingeweihter Kreise dort als ´Berlin` bezeichnet, müssen schon im Viertelmillion-Paket spazieren gehen und untrennbare Volksgemeinschaft 2.0 spielen, um wenigstens ein bisschen Aufsehen zu erregen. Wären es Mitarbeiter von Google gewesen, dann hätten 400 Unterschriften gereicht, damit die globale Mediengemeinde den Hals reckt. Und wieder einmal geht es um China und immer noch um jenes ominöse Projekt Dragonfly, jene China-kompatible App, die dem Suchmaschinenkonzern nach acht Jahren wieder Zugang zum lukrativen Milliardenmarkt hinter der großen Mauer sichern könnte. Seit an Seit mit Amnesty International fordern die Mitarbeiter in ihrem offenen Brief schlichtweg ein Finger weg vom Chinaladen. Er will doch nur spielen 
Sundar Puchai, seines Zeichens CEO von Google, winkte inzwischen auch schon heftig ab. Man wollte, so der Inhalt seiner Aussage, einfach nur mal wissen, wie sich China-Google anfühlen würde und habe intern eine entsprechende App entwickelt. Ausgehend von den Zensurauflagen der Chinesen – die dafür sicherlich ein weniger verfängliches Wort nutzen werden – kam Puchai zu dem Schluss, dass eine von hundert Anfragen blockiert werden würde. Vor allem Interesse für Fragen der Sexualität in Bezug … wir verstehen uns schon, nicht parteikonformer politischer Meinungen etc. gehören zum No-Go.

Und natürlich diese kleine Sache, 1989 war das angeblich, auf diesem Platz … Schwamm drüber. Problem: Ein Prozent von vielleicht einer Milliarde Anfragen ist schon ein dicker Packen Zensur. Noch ein Problem: Google verlangt von sich selbst einen hohen ethischen Standard und dazu gehört absolute Objektivität beim Servieren von Angeboten durch die Suchmaschine.

Sind die putzig! 
Die 400 Mitarbeiter, von etwa 80.000 weltweit, by the way, fordern im gleichen Atemzug mehr Transparenz seitens der Geschäftsführung und verweisen darauf, dass Google zu mächtig ist, um sich vor Verantwortung zu drücken. Zugleich – political correctness lässt grüßen – betonen sie, dass es nicht gegen China gehe, sondern generell gegen Technologien, die der Unterdrückung dienen können. Ach, ihr Hippies. Herr Maduro braucht in Venezuela lediglich ein paar fitte Jungs mit Knüppeln, um die Bedingungen auszuhandeln. China ist, das ist der Punkt, da schon ein Jahrtausend weiter.

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