Umverteilung einmal anders 

Was waren das für schlechte Zeiten, als ein Rinaldo Rinaldini noch stundenlang hinter dem Busch hocken musste, bis er endlich mittels Vorderladerpistole seine Bedingungen hinsichtlich sozialer Vermögensumverteilung aushandeln konnte. Heute ist alles besser, Diebstahl geht auch ohne Blasenentzündung und wer es nicht glaubt, der schaue auf die Meldungen des letzten halben Jahres, in denen Landeskriminalämter und Verbraucherzentralen von dem vermehrten Auftreten von Betrügern bei Ebay berichten.

Die Wölfe im Schafs-Account 
Die Masche der Betrüger ist simpel. Sie verschaffen sich Zugang zum Account eines seriösen Verkäufers, bieten nicht vorhandene Waren an und lassen sich das Geld auf das Konto eines unbeteiligten und völlig arglosen Dritten überweisen. Zwar rühmt sich Ebay seiner Sicherheitssoftware von höchstem Entwicklungsstand, aber nicht immer kommt die Warnung rechtzeitig.

Der Kniff mit dem Konto 
Das neumodische Äquivalent von Signore Rinaldinis Bio-Jutesack ist ein Bankkonto. Denn als schwer arbeitender Krimineller möchte man ja auch den Lohn seiner Betrügereien erhalten. Also braucht man ein Konto, also braucht man jemanden, der es für einen eröffnet, also stiehlt man Identitäten. Zum Beispiel, indem man sich an alle diese Trottel wendet, die für ihr Gehalt wirklich arbeiten möchten oder es zumindest müssen. Mit einer gefälschten Online-Stellenanzeige eines bekannten und renommierten Unternehmens lockt man die Opfer an. Meist sehen Arbeitslose oder Personen, die von zu Hause aus arbeiten müssen, darin eine Chance. Die Täter spiegeln ihnen einen ernsthaften Bewerbungsprozess vor und sichern sich die fremden Daten. Leider, leider ist dabei ein persönliches Vorstellungsgespräch nicht möglich. Aber das ist kein Problem, lässt sich das Opfer per E-Mail versichern. Schließlich gibt es das Video-Ident-Verfahren, um sich online zu identifizieren. Tatsächlich aber eröffnen die Düpierten online ein Bankkonto, auf das die bösen Jungs – und Mädels – Zugriff haben, indem sie ihre eigenen Kontaktdaten hinterlegen. Es scheint zwei Maschen zu geben. Bei der einen bemerken die Opfer nicht einmal, dass sie ein Konto eröffnen. Bei der anderen werden sie aufgefordert, zwecks Identifizierung bei einer angeblichen Partnerbank ein Konto zu eröffnen. Es wird aber versichert, dass das Konto sofort danach wieder gelöscht wird. Was, Überraschung, natürlich nicht geschieht.

Berliner Bank im Fokus 
Eine in Berlin ansässige Direktbank mit Spezialisierung auf Online-Smartphone-Banking ist im Fokus. Dass ein solches Geldinstitut, für dessen Geschäftsmodell das Video-Ident-Verfahren grundlegend ist, die Online-Gauner anzieht, ist nachvollziehbar. Allerdings sind auch andere Banken vermehrt betroffen.